Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) - Postdoctoral Fellowship (2026-2028)
David Findley
AUSTROMODELS - Modelling Styrian Land Use, 1820-1910 CE: Studying the Past Human-Earth System Dynamics of Industrialization
Projektübersicht: Dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt entwickelt innovative Methoden zur Rekonstruktion historischer Landnutzung in der österreichischen Steiermark zwischen 1820 und 1870. Das Projekt überträgt erstmals Circle Diagram Models (CDMs), die ursprünglich für tropische Regionen Südostasiens entwickelt wurden, auf den mitteleuropäischen Kontext und nutzt dabei modernste Digital Humanities Techniken.
Forschungsziele: Das Projekt verfolgt drei Hauptziele: (1) die Anpassung und Anwendung von CDMs für die steirische Landnutzung, (2) die Integration von Machine Learning-Verfahren zur systematischen Auswertung von Archivmaterial und Katasterkarten, und (3) die detaillierte Analyse des frühindustriellen Wandels in der Region. Untersucht werden drei Zeitpunkte: 1820 (Vollendung der ersten Katasterkarten), 1848 (Ende der Leibeigenschaft) und 1870 (Abschluss der Katastererneuerung).
Methodologie: Das Projekt kombiniert traditionelle historische Archivforschung mit innovativen digitalen Analysemethoden. Umfangreiche Datenbestände aus dem Österreichischen Staatsarchiv, dem Steiermärkischen Landesarchiv und digitalen Repositorien werden mittels Machine Learning-Algorithmen ausgewertet. Die Zusammenarbeit mit der Digital Humanities Abteilung der Universität Graz ermöglicht die automatisierte Segmentierung von Katasterkarten und Extraktion strukturierter Daten aus historischen Dokumenten.
Wissenschaftliche Relevanz: Das Projekt adressiert eine zentrale Herausforderung der Erdsystemforschung: das Fehlen verlässlicher Daten über historische Mensch-Umwelt-Interaktionen. Während globale Landnutzungsmodelle oft an ihrer Annahme kultureller Homogenität scheitern, bieten CDMs einen regionalisierten Ansatz, der lokale Gegebenheiten berücksichtigt. Die Steiermark eignet sich ideal als Untersuchungsgebiet, da hier industrielle Entwicklungen ungleichmäßig verliefen - von subsistenzorientierter Landwirtschaft bis hin zu früher Industrialisierung.
Innovation: Erstmals werden Digital Humanities Methoden systematisch in die CDM-Entwicklung integriert. Die automatisierte Auswertung historischer Katasterkarten und statistischer Tabellen mittels Machine Learning beschleunigt die arbeitsintensive Datenerfassung erheblich. Gleichzeitig wird die Übertragbarkeit der ursprünglich für den Globalen Süden entwickelten CDM-Methodik auf datenreiche europäische Kontexte getestet.
Erwartete Ergebnisse: Das Projekt wird detaillierte Landnutzungsmodelle für verschiedene "Lifestyles" (zeit- und ortsspezifische Landnutzungsmuster) in der Steiermark generieren. Diese werden als Circle Diagrams visualisiert und ermöglichen quantitative Vergleiche zwischen verschiedenen Zeitpunkten und Regionen. Die Ergebnisse tragen zum Verständnis frühindustrieller Transformationsprozesse bei und demonstrieren die Skalierbarkeit der CDM-Methodik.
Gesellschaftliche Relevanz: Neben dem wissenschaftlichen Beitrag wird das Projekt lokale Gemeinschaften über die Umwelt- und Landnutzungsgeschichte ihrer Region informieren. Öffentliche Präsentationen und eine dedizierte Website werden Forschungsergebnisse zugänglich machen. Die entwickelten Methoden könnten zudem für Agronomen und Landnutzungsplaner von Interesse sein.
Mentor
Univ.-Prof. Dr.phil. M.A. Georg Vogeler
Institut für Digitale Geisteswissenschaften
https://online.uni-graz.at/kfu_online/wbForschungsportal.cbShowPortal?pPersonNr=80075